Porsche 911 Carrera 4 Coupé – 1989
Taubenblaumetallic, Leder/Alcantara, RECARO – ein 964 mit Geschichte
Manche Porsche erzählen ihre Geschichte über ein dick gefülltes Scheckheft. Andere tun es über ihren Zustand. Und gelegentlich begegnet einem ein Auto, bei dem man beides voneinander trennen muss.
Dieser Porsche 911 Carrera 4 Coupé aus dem Jahr 1989 gehört zu dieser interessanteren Kategorie.
Seine Geschichte ist nicht lückenlos dokumentiert – zumindest nicht über die gesamten 37 Jahre seines bisherigen Lebens. Die ersten elf Jahre, von 1989 bis 2000, lassen sich heute anhand eines Scheckheftes oder entsprechender Rechnungen leider nicht mehr nachvollziehen. Das sollte man nicht verschweigen. Es gehört zur ehrlichen Betrachtung eines solchen Automobils.
Aber ebenso ehrlich muss man feststellen, was heute vor einem steht: ein ausgesprochen gut erhaltenes und in vielerlei Hinsicht bemerkenswertes Exemplar des frühen Porsche 964 Carrera 4.
Ein Porsche als Aushängeschild
Einen besonders interessanten Abschnitt seiner Geschichte schrieb der 964 bereits im Jahr 1999.
Damals gelangte das Fahrzeug in den Besitz einer uns persönlich bekannten Autosattlerei, die den Porsche ganz bewusst nicht einfach nur als Gebrauchtwagen weiterverkaufen wollte. Er sollte vielmehr zum Aushängeschild für die eigene Autosattlerei werden.
Dafür wurde das Coupé zunächst bis auf das blanke Metall vom bisherigen Lack befreit und anschließend von Grund auf neu aufgebaut. Die Ausführung dieser Arbeit ist auch heute noch sichtbar: Der Lackaufbau wurde mit einem Aufwand ausgeführt, der mindestens Werksniveau erreicht, in vielen Details eher darüber liegt. Die Karosserie präsentiert sich heute in Taubenblaumetallic – einer Farbe, die dem kantigeren, noch ausgesprochen klassischen Erscheinungsbild des frühen 964 sehr gut steht.
Doch mit dem Lack war die Arbeit noch lange nicht beendet.
Der Innenraum wurde vollständig entkernt und anschließend praktisch neu komponiert. Vom Bodenteppich über die Seitenverkleidungen bis zum Dachhimmel wurde die Innenausstattung hochwertig mit Leder und Alcantara ausgeführt. Die beiden originalen Sitze mussten dabei hochwertigen RECARO-Sportsitzen weichen.
Bemerkenswert ist, dass man trotz dieser aufwendigen Arbeiten nicht versucht hat, aus dem 964 ein anderes Auto zu machen. Armaturenbrett, Instrumentierung und die wesentlichen Gestaltungselemente blieben original. Die Veredelung konzentrierte sich auf Material, Verarbeitung und Atmosphäre.
Ebenso wurde der Motor vollständig zerlegt und revidiert. Was genau dabei erneuert, überholt oder gereinigt wurde, kann uns heute keiner mehr beantworten. Daß diese Arbeit jedoch durchgeführt wurde, sieht man selbst heute noch an den Dichtungen, den Ölrücklaufrohren, Schrauben und Unterlagscheiben. Der Motor war zumindest augenscheinlich bis zum Block zerlegt und ist selbst heute, 26 Jahre nach dieser Arbeit, dicht und läuft wie das berühmte Paar Wollsocken. Wir haben wie gesagt leider keine Unterlagen oder Rechnungen, die all das belegen. Darum können wir Ihnen nur anbieten, mit den dafür verantwortlichen Personen zu reden, die unsere Aussagen bestätigen. Es bleiben dennoch Aussagen, die so belastbar sind, wie Sie selbst es zulassen. Wir haben es mit grundehrlichen Handwerkern zu tun, die wir seit Jahrzehnten bestens kennen und das gegebene Wort untereinander noch etwas gilt. Wir glauben also diese Arbeiten auf Grund der Aussagen UND DEM, was wir selbst sehen.
So weit, so gut?
Jedenfalls war das Ergebnis so überzeugend, dass der Porsche nach seiner Fertigstellung auf verschiedenen Messen präsentiert wurde.
Er war damit gewissermaßen nicht nur Porsche, sondern gleichzeitig eine fahrende Visitenkarte seines damaligen Besitzers.
Seit 2000 in außergewöhnlich behüteten Händen
Nach dieser Messekarriere wechselte der 964 zu seinem nächsten und bis heute letzten Besitzer.
Und dort begann ein bemerkenswert ruhiges zweites Leben.
Seit dem Jahr 2000 legte der Porsche lediglich rund 10.800 Kilometer zurück. Das entspricht über diesen langen Zeitraum einer Fahrleistung, bei der man beinahe den Verdacht bekommen könnte, der Besitzer habe den 964 hauptsächlich deshalb besessen, damit er ihn nicht jemand anderem überlassen musste.
Ganz untätig stand er allerdings nicht herum.
Im Gegenteil: Der Wagen wurde regelmäßig von freien, auf Porsche spezialisierten Werkstätten gewartet und kontrolliert. Der TÜV wurde konsequent im Zweijahresrhythmus erneuert. Die technische Betreuung ist damit gerade für die vergangenen 26 Jahre sauber und nachvollziehbar dokumentiert.
Und genau hier liegt der wesentliche Unterschied zwischen einem Auto, das nur wenig gefahren wurde, und einem Auto, das tatsächlich gut aufgehoben war.
Dieser 964 wurde nicht einfach abgestellt und vergessen. Er wurde erhalten, gewartet, kontrolliert und offensichtlich mit der nötigen Sorgfalt behandelt.
Merke: Jeder alte Porsche hat eine lückenlose Historie
Nur kennen wir sie leider nicht immer vollständig.
Das ist bei alten Porsche nichts Ungewöhnliches. Irgendwann fehlen Rechnungen, Scheckhefte wechseln den Besitzer nicht mit dem Auto, Unterlagen verschwinden – und manchmal weiß nach 30 oder 40 Jahren schlicht niemand mehr, was zwischen zwei bekannten Stationen tatsächlich geschehen ist.
In diesem Fall kennen wir die ersten Jahre des Autos nicht so, wie wir sie gerne kennen würden.
Also betrachten wir uns das Fahrzeug selbst sehr genau.
Wir versuchen, aus unzähligen einzelnen Parametern zu lesen, was ein Auto über seine Vergangenheit erzählt: aus seiner Karosserie, dem Lackbild, den verwendeten Materialien, Verschleißspuren, Reparaturdetails, technischen Befunden und vielen kleinen Dingen, die einem geübten Auge oft mehr verraten als ein Stempel im Scheckheft.
Dabei hilft natürlich die Erfahrung.
Nicht nur die Erfahrung mit diesem einen Porsche, sondern die über Jahrzehnte gewachsene Routine aus der Beurteilung zahlloser Fahrzeuge. Hinzu kommen unzählige bereits geprüfte und dokumentierte Automobile, die als Vergleich und Referenz dienen. Man entwickelt mit den Jahren ein Gefühl dafür, was zusammenpasst, was plausibel erscheint – und wo ein Auto möglicherweise eine Geschichte erzählt, die nicht ganz zu den Papieren passt.
So entsteht am Ende ein Bild.
Nicht zwingend ein lückenlos dokumentiertes Bild der vergangenen Jahrzehnte, aber ein erstaunlich präzises Bild davon, wie dieses konkrete Auto seine Jahrzehnte verbringen durfte und wie es dabei behandelt wurde.
Mit vollständiger Historie, mit unvollständiger Historie oder – wie hier – mit einer Lücke in den frühen Jahren.
Was heute zählt
Bei einem 37 Jahre alten Porsche ist die entscheidende Frage deshalb nicht allein, wie viele Stempel sich in einem Scheckheft finden lassen. Entscheidend ist, was die Jahre mit dem Auto gemacht haben.
Und das lässt sich bei diesem Carrera 4 sehr gut beurteilen.
Die Karosserie, der Lack, der Innenraum und der Gesamteindruck vermitteln das Bild eines Fahrzeugs, das über Jahrzehnte außergewöhnlich sorgfältig behandelt wurde. Die aufwendige Restaurierung von 1999 ist dabei nicht irgendeine kosmetische Maßnahme aus der Vergangenheit, sondern ein wesentlicher Bestandteil seiner heutigen Erscheinung.
Natürlich wäre es schöner, auch die Jahre 1989 bis 2000 mit einer lückenlosen Akte belegen zu können. Das können wir nicht.
Wir halten es deshalb genauso, wie man es bei einem Fahrzeug dieser Altersklasse halten sollte: Wir benennen diese Lücke offen und überlassen die Beurteilung nicht einer fantasievollen Geschichte, sondern dem Fahrzeug selbst.
Und genau deshalb wird dieser Porsche auch bei DLS Automobile in Fellbach angeboten. Wäre er nicht mindestens gut, würde er nicht bei uns stehen.
So einfach ist das.
Nach inzwischen 44 Jahren Beschäftigung mit besonderen Automobilen und einer über Jahrzehnte gewachsenen internationalen Reputation im Bereich klassischer und besonderer Porsche ist uns durchaus bewusst, dass ein gutes Auto nicht dadurch besser wird, dass man seine Geschichte schöner erzählt, als sie belegbar ist.
Dieser 964 braucht das auch gar nicht.
Er hat eine interessante Vergangenheit, eine außergewöhnliche Innenausstattung, einen sehr aufwendig ausgeführten Neuaufbau von Karosserie und Lack, seit dem Jahr 2000 eine nachvollziehbare und sorgfältige Betreuung – und vor allem einen heutigen Zustand, der einer persönlichen und fundierten Besichtigung standhält.
Vielleicht ist gerade das die ehrlichste Form, einen 37 Jahre alten Porsche zu beurteilen:
Nicht alles über ihn zu wissen, was irgendwann einmal passiert ist – aber sehr genau erkennen zu können, was heute vor einem steht.
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