Porsche 928 S – als hätte jemand 1984 gewusst, was heute gesucht wird
Man muss bei diesem Porsche 928 S gar nicht lange in den Unterlagen lesen, um zu verstehen, dass sein erster Besitzer eine ziemlich klare Vorstellung davon hatte, was er von seinem neuen Porsche erwartete.
Zinkmetallic außen, dunkelblaues Leder innen – und darunter eine bemerkenswert konsequente technische Bestellung.
Statt der damals naheliegenden Automatik wurde das manuelle 5-Gang-Sportgetriebe bestellt. Dazu ein 40%-Sperrdifferential, Sportfahrwerk und eine Spurverbreiterung an der Hinterachse. ABS gehörte ebenfalls zur Ausstattung.
Das ist für einen 928 S des Jahres 1984 eine ausgesprochen reizvolle Kombination.
Denn der 928 war von Porsche nicht als verkappter Rennwagen gedacht worden. Er sollte der große, schnelle Gran Turismo sein – komfortabel, souverän und technisch aufwendig genug, um auch sehr hohe Geschwindigkeiten mit einer gewissen Selbstverständlichkeit zu bewältigen.
Dieser hier bekam trotzdem ziemlich genau die Zutaten, mit denen man aus dem großen Gran Turismo einen deutlich engagierteren Fahrer-Porsche machen konnte.
Fünf Gänge, Sperrdifferential und Sportfahrwerk.
Man könnte sagen: Jemand hatte damals bereits verstanden, dass ein 928 S nicht zwangsläufig nur schnell geradeaus fahren muss.
Und genau diese ungewöhnliche Werkskonfiguration ist es, die diesen Wagen heute besonders interessant macht. Nicht, weil irgendeine nachträgliche Modifikation ihn irgendwann „sportlicher“ gemacht hätte, sondern weil Porsche selbst ihn genau so gebaut und ausgeliefert hat.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Noch wichtiger ist allerdings, was danach mit diesem Auto passiert ist.
Der 928 S wurde ursprünglich nach Italien erstausgeliefert. Dort verbrachte er die ersten Jahrzehnte seines Lebens unter Bedingungen, die sich für ein Automobil kaum besser hätten gestalten lassen. Vor allem musste er etwas nicht kennenlernen, das einem klassischen Porsche in unseren Breiten im Laufe der Jahre erheblich zusetzen kann:
den Winter.
Seit seiner Erstzulassung wurde dieser 928 S keinem Winterbetrieb ausgesetzt. Mehr als 42 Jahre ohne Salz und ohne winterlichen Rollsplit hinterlassen ihre Spuren – oder genauer gesagt: Sie verhindern eine ganze Reihe von Spuren, die man bei einem solchen Auto normalerweise irgendwann suchen muss.
Im Jahr 2015 gelangte der Wagen nach Deutschland. Der Käufer war der Vorstand eines Porsche-Clubs, der ihn aus Italien importierte und anschließend im Porsche Zentrum Karlsruhe einer technischen Revision unterziehen ließ, die diesen Begriff eigentlich erst einmal mit Inhalt füllen musste.
Denn hier wurde nicht versucht, einen über 30 Jahre alten 928 für möglichst wenig Geld wieder fahrbereit zu machen.
Der Motor wurde vollständig revidiert.
Das 5-Gang-Schaltgetriebe wurde vollständig revidiert.
Das Fahrwerk, die Bremsanlage und der gesamte Transaxle-Antriebsstrang wurden von Grund auf überholt.
Es folgten weitere Arbeiten und Erneuerungen, unter anderem an der Klimaanlage, der Schaltmimik und bei der Fahrwerksabstimmung. Anschließend wurde das Fahrzeug unter bestmöglichen Bedingungen gewartet und weiter verfeinert.
Die dazu vorliegenden Originalrechnungen des Porsche Zentrums Karlsruhe und der Firma Krämer in Vogt summieren sich auf rund 70.000 Euro.
Das ist eine beträchtliche Summe.
Vor allem aber ist sie eine ziemlich deutliche Aussage über die Herangehensweise.
Bei einem solchen Betrag hätte man vieles „auch anders“ machen können. Etwas reparieren, etwas ersetzen, anderes vorerst lassen. Das Auto hätte vermutlich auch für deutlich weniger Geld wieder funktioniert.
Aber genau darum ging es hier offenbar nicht.
Es ging darum, den 928 technisch so weit zurückzuführen, dass man beim Fahren nicht ständig daran erinnert wird, dass inzwischen mehr als vier Jahrzehnte vergangen sind.
Und das ist der Punkt, an dem die Rechnungen ihren eigentlichen Wert bekommen.
Man kann 70.000 Euro in einen alten Porsche investieren und anschließend eine beeindruckende Rechnung besitzen.
Oder man kann 70.000 Euro investieren und anschließend ein Auto besitzen, das sich entsprechend fährt.
Bei diesem 928 S ist erfreulicherweise Letzteres der Fall.
Seit Abschluss der umfangreichen Arbeiten wurden lediglich rund 9.000 Kilometer zurückgelegt. Und wer diesen Porsche fährt, versteht ziemlich schnell, weshalb der Aufwand betrieben wurde.
Der Motor arbeitet kraftvoll und kultiviert. Das Schaltgetriebe lässt sich so bedienen, wie man es von einem mechanisch gesunden Porsche erwartet. Der gesamte Transaxle-Antriebsstrang arbeitet ohne die typischen Alterserscheinungen, die bei einem solchen Fahrzeug irgendwann gerne beginnen, sich gegenseitig die Verantwortung zuzuschieben.
Das Fahrwerk vermittelt nicht das Gefühl eines alten Autos, dessen Komponenten irgendwann einmal erneuert wurden.
Es vermittelt das Gefühl eines sehr guten Autos.
Präzise, straff, kontrolliert und frei von jenem leicht undefinierten Eigenleben, das man bei älteren Fahrzeugen häufig als „charaktervoll“ bezeichnet, obwohl man eigentlich eine ausgeschlagene Buchse meint.
Auch die Bremsanlage entspricht diesem Eindruck.
Und die technische Qualität endet nicht dort, wo die großen Baugruppen aufhören.
Die Klimaanlage funktioniert, ebenso sämtliche elektrischen Helfer. Die elektrische Antenne arbeitet, die Lautsprecher tun, was Lautsprecher tun sollen, und auch die kleinen Dinge, die bei einem 40 Jahre alten Auto gerne einmal anfangen, sich langsam aus dem Dienst zu verabschieden, funktionieren so, wie sie sollen.
Selbst die Haubendämpfer haben offenbar beschlossen, ihre ursprüngliche Aufgabe noch nicht als erledigt zu betrachten.
Das klingt nebensächlich.
Ist es aber nicht.
Denn genau an solchen Kleinigkeiten erkennt man, ob jemand ein altes Auto lediglich technisch am Leben hält oder ob er den Anspruch hatte, es als Ganzes wiederherzustellen.
Die angezeigte Gesamtlaufleistung beträgt 126.000 Kilometer.
Man kann diese Zahl auf dem Tachometer ablesen.
Beim Fahren merkt man sie nicht.
Das ist vielleicht die treffendste Beschreibung des heutigen Zustands dieses 928 S.
Denn sein eigentliches Qualitätsmerkmal liegt nicht darin, dass irgendwann einmal sehr viel Geld in ihn investiert wurde. Entscheidend ist, dass die Investition dort angekommen ist, wo sie hingehört: im Fahrerlebnis.
Man steigt ein, startet den V8 und bekommt nicht das Gefühl, besonders vorsichtig mit einem alten Auto umgehen zu müssen.
Man bekommt das Gefühl, in einem Porsche zu sitzen.
So, wie er sich 1984 wahrscheinlich auch anfühlen sollte.
Und dabei hilft natürlich die ungewöhnliche technische Konfiguration.
Das manuelle Sportgetriebe macht aus dem 928 S keinen Puristen-Porsche. Dafür war der Wagen nie gedacht. Aber es gibt dem Fahrer eine zusätzliche Ebene der Kontrolle. Das 40%-Sperrdifferential und das Sportfahrwerk unterstützen diesen Charakter, ohne den eigentlichen Gran-Turismo-Anspruch des 928 aufzugeben.
Es ist eine bemerkenswert stimmige Kombination.
Und rückblickend beinahe eine glückliche Fügung, dass jemand vor über vier Jahrzehnten bei der Bestellung nicht den bequemsten, sondern den interessanteren Weg gewählt hat.
Heute lässt sich diese Entscheidung nicht mehr nachholen.
Ein Automatik-928 kann man umbauen. Ein anderes Fahrwerk kann man montieren. Ein Sperrdifferential kann man nachrüsten.
Aber man kann ein Auto nicht nachträglich ab Werk mit diesen Dingen bestellen.
Genau deshalb ist die ursprüngliche Konfiguration dieses 928 S so wichtig.
Und deshalb gehört zu seiner Geschichte auch die zweite, mindestens ebenso wichtige Hälfte:
Er hat mehr als vier Jahrzehnte ohne Winterbetrieb überstanden, wurde 2015 von einem Porsche-Enthusiasten aus Italien nach Deutschland geholt und anschließend technisch mit einem Aufwand überarbeitet, der bei einem 928 nicht gerade zum üblichen Wartungsbudget gehört.
Heute stehen 126.000 Kilometer auf dem Zähler.
Doch der 928 S fährt nicht wie ein 126.000 Kilometer altes Auto.
Er fährt wie ein Porsche, dessen wesentliche technische Komponenten gerade erst wieder gelernt haben, wie sie ursprünglich funktionieren sollten.
Vielleicht ist das die überzeugendste Form einer technischen Revision:
Man bemerkt sie nicht.
Man bemerkt nur, dass alles funktioniert.Für weitere Detailinformationen zu diesem Fahrzeug kontaktieren Sie uns oder vereinbaren Sie einen Termin zur Besichtigung. Diese Verkaufsanzeige stellt kein Angebot im Sinne des §145 BGB dar. Vielmehr handelt es sich um Informationen zur Vertragsanbahnung. Die hier gemachten Angaben sind ohne Gewähr und stellen somit keine zugesicherten Eigenschaften dar. Der Verkäufer haftet nicht für Irrtümer, Eingabefehler und Datenübermittlungsfehler. Zwischenverkauf vorbehalten.