Die Deutschen bauen Automobile gewöhnlich so, als wollten sie eine mathematische Gleichung lösen. Die Italiener dagegen bauen Automobile oft so, als wollten sie eine Oper komponieren. Beides kann zu bemerkenswerten Ergebnissen führen. Doch gelegentlich geschieht etwas Seltenes: Dann treffen italienische Leidenschaft und technische Besessenheit aufeinander – und heraus kommt ein Fiat Dino Spider.
Man muss sich die Situation Mitte der sechziger Jahre vor Augen führen. In Maranello benötigte man für den Motorsport eine bestimmte Anzahl von V6-Motoren. Also entstand eine jener typisch italienischen Lösungen, die auf dem Papier beinahe vernünftig wirken und in der Realität herrlich verrückt sind: Ferrari konstruierte den Motor, Fiat baute das Auto und die Welt bekam einen offenen Sportwagen, dessen Herz direkt aus der Familie der Cavallinos stammte.
Der Dino Spider war deshalb nie einfach nur ein Fiat. Er war vielmehr die elegante Ausrede, mit der man einen Ferrari-Motor in die Hände normaler Sterblicher bringen konnte.
Und was für ein Motor das war.
Der von Aurelio Lampredi entwickelte Zweiliter-V6 mit seinen drei Doppelvergasern gehört zu den schönsten mechanischen Kunstwerken seiner Epoche. Schon im Leerlauf klingt er nicht wie eine Maschine, sondern wie ein perfekt gestimmtes Instrument. Mit steigender Drehzahl entwickelt er jene metallische, und doch seidige Klangfarbe, die nur italienische Sechszylinder jener Zeit beherrschten. Wer einen Dino fährt, beschleunigt nicht einfach.
Er dirigiert.
Dabei offenbart sich ein Unterschied zwischen deutscher und italienischer Ingenieurskunst. Der deutsche Konstrukteur wollte damals möglichst viel Drehmoment bei möglichst wenig Verbrauch. Der italienische Konstrukteur hingegen wollte vor allem erreichen, dass sich dem Fahrer bei 7.000 Umdrehungen die Nackenhaare aufstellen.
Beides sind legitime Ziele. Das italienische ist allerdings deutlich unterhaltsamer.
Entsprechend verlangt der Dino nach einem Fahrer, der Freude an Mechanik hat. Die Gänge wollen bewusst gewechselt werden, die Vergaser wollen atmen, der V6 möchte Drehzahl sehen. Dann verwandelt sich der Spider in das, was seine Schöpfer ursprünglich beabsichtigten: einen leichten, temperamentvollen Gran-Turismo unter freiem Himmel, der jede Landstraße in einen kleinen Abschnitt der Mille Miglia verwandelt.
Das hier angebotene Exemplar gehört allerdings in eine Kategorie, die selbst unter Fiat-Dino-Kennern nur selten anzutreffen ist.
In den Jahren 2014 bis 2015 wurde dieser Fiat Dino 2.0 Spider beim wohl renommiertesten Fiat-Dino-Restaurator Italiens vollständig und kompromisslos restauriert. Die Arbeiten erfolgten ab der Rohkarosse und mit einem Aufwand, der weit über das hinausgeht, was selbst anspruchsvolle Sammler üblicherweise erwarten dürfen. Ziel war nicht eine kosmetische Aufbereitung, sondern die Rückkehr in einen Zustand, der den Begriff „Neuwagen“ beinahe neu definiert. Diese Arbeiten Mitte des letzten Jahrzehnts sind in einem eigens dafür erstellten Buch dokumentiert, das man möglichst an jedem verregneten Wochenende aus dem Regal nimmt, um darin zu schwelgen.
Das Ergebnis dieser Arbeiten ist ein Dino Spider von Referenzqualität. Noch heute.
Seit Abschluss der Restaurierung wurden unter besten Bedingungen lediglich knapp 10.000 Kilometer zurückgelegt. Genug, um zu beweisen, dass es sich nicht um ein unbewegliches Museumsstück handelt. Wenig genug, um den außergewöhnlichen Erhaltungszustand in vollem Umfang zu bewahren.
Diverse bei renommierten Concours d'Élégance-Veranstaltungen erhaltene Ehrungen und Siege unterstreichen die Qualität dieses Fahrzeugs eindrucksvoll. Solche Preise gewinnt man nicht durch Politur allein. Sie sind die Anerkennung für handwerkliche Perfektion, Authentizität und Liebe zum Detail – Eigenschaften, die bei einer Restaurierung dieser Größenordnung weit wichtiger sind als jede Rechnungssumme.
Heute zählt der frühe Dino Spider ohnehin zu den begehrtesten italienischen Sportwagen seiner Epoche. Sein edler Bruder Dino 206 mit identischem Antrieb geht inzwischen mit strammen Schritten Richtung eine Million €uro. Das später gebaute Modell mit 2,4 Liter-Antrieb kostet die Hälfte. Aber das nur am Rande und für die wissenswerte Statistik….
Das Zusammenspiel aus Ferrari-V6, Pininfarina-Karosserie und vergleichsweise geringer Stückzahl macht ihn längst zu einem anerkannten Sammlerautomobil. Fahrzeuge dieser Qualität erscheinen jedoch nur äußerst selten am Markt.
Vielleicht liegt die eigentliche Faszination dieses Dino aber woanders.
Er stammt aus einer Zeit, als Sportwagen noch nicht von Aerodynamikern im Windkanal gezeichnet wurden, sondern von Menschen mit Zeichenstift, Geschmack und einer gesunden Gleichgültigkeit gegenüber praktischen Erwägungen. Niemand fragte damals nach Kofferraumvolumen, Assistenzsystemen oder Smartphone-Anbindung. Man fragte, wie ein Motor klingt. Wie eine Karosserie wirkt. Und wie sich eine kurvige Straße an einem sonnigen Nachmittag anfühlt.
Der Fiat Dino Spider kennt auf all diese Fragen bis heute verblüffend gute Antworten.
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